Wüstenreisen

Der erste Eindruck schon beim Eintritt in die Wüste ist die Stille! Dann die leere Weite. Unsere Augen und Ohren erholen sich. Wie kostbar! Mit jedem Schritt in der Karawanen-Spur lassen wir mehr und mehr unseren Alltag los. Zu Fuß gehen. Weit und breit kein Fahrzeug, kein Haus, keine Strommasten, nichts als Sand, mal ein Gebüsch-, ein Strauch. Und die Kamele, die Beduinen, die Reisegruppe. Mit jeder Veränderung des Sonnenstandes zeigt die Wüste andere Spuren, Farben und Formen. In der Zeit unserer Wüstenwanderungen bekommen wir einen faszinierenden Einblick in das archaische Leben der Beduinen.

Unsere Wanderroute bespreche ich zu Beginn immer mit Kalifa, der wiederum erklärt es Mohammed, unserem Karawanenführer und den Beduinen in Arabisch mit all den Namen, die jeder Ort in der Wüste für sie hat. Für unsere Augen gibt es nicht viel- eher nichts, was auf einen Unterschied, auf ein Merkmal hinweisen würde. Für unsere Augen ist die Wüste einfach leer, eintönig, weit, erholsam. Ein Sandmeer bis zum Horizont. Für die Augen der Beduinen hat jede noch so kleine Erhebung oder Senke, jedes noch so unauffällige Zeichen in der Landschaft eine deutliche Botschaft: hier ist "Umm Tuba", hier ist "Sal Ha", hier ist "Chega" usw..

Abends, müde vom Wandern, bekommen wir köstliches Couscous serviert, am Feuer zubereitet. Danach singen die Männer ihre traditionellen Wüstenlieder und wenn wir Glück haben, zeigen sie sogar einen Beduinentanz.

Khalifa und der große achthundertköpfige Beduinenstamm der Karous leben heute am Rande der Sahara in einem kleinen Ort, seit die Wüsten- Ziehbrunnen ihrer Gärten ausgetrocknet sind. Da mussten sie ihre Wüstenheimat verlassen. Als sie noch kaum Berührung mit den Menschen in den Städtchen und Dörfern am Rande der Sahara hatten, sah noch vor 50 Jahren ihr Leben so aus:

Nur im Sommer bei der größten Hitze blieben sie bei den wenigen selbsterrichteten einfachen Steinhäusern. Hier trafen sich alle zu Festen, zu Begegnung, zum Ruhen im Schatten. Sobald die Temperaturen unter 40 Grad gesunken waren, im Herbst, schwärmten alle Familien mit Sack und Pack, mit Zelten und Vieh wieder aus in ihr angestammtes Nomadenleben. Sie wanderten in Familiengruppen weit verstreut mit ihren Herden von Weideplatz zu Weideplatz. Das sind dürre wenige Gräser und Sträucher im Süden von Tunesien, wir dürfen uns keine saftigen Weiden vorstellen. Doch Ziegen, Schafe und Kamele können davon leben. Das wiederum ermöglicht es den Beduinen, in diesen Regionen ebenfalls zu überleben. Sie sind Bauern,  die von ihren Gärten und ihren Herden leben.

Durch unsere Besuche heute können einige der Beduinen noch ihre Kamele halten, weil sie mit unseren Gruppen Geld verdienen. Wir genießen ihre Gastfreundschaft und Fürsorge.

Unsere Art der Wüstenreise ist meditativ. Eine gute Gelegenheit, unsere Herzensräume  zu reinigen, eine größere Weite des Herzens zu bereiten für ein Aufatmen, für eine Neuwerdung. Die aramäische Urfassung des "VaterUnsers" ist Grundlage unserer Tänze und Meditationen. Im einem Land des Islam, in Tunesien, ist es auch gut, etwas über die gelebte Tradition unserer Gastgeber zu erfahren. In geleiteten Meditationen wird die Gruppe vorbereitet auf die 24-stündige "Visionssuche", die Zeit des Allein-Seins. Von allen TeilnehmerInnen bisher war spürbar, wie tief berührt sie davon wieder zur Gruppe zurückkamen.