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Ich erhebe Einspruch

von Ingrid Mettert

Zeitungen, Radio und Fernsehen bringen "Nachrichten". Es wird berichtet, was los ist, wo jemand umgekommen ist, wer wieder was angerichtet hat. Im Filmeprogramm überwiegen Krimis: es geht viel um Morde.

Dass überall Menschen einander lieben, beschützen, einander helfen; dass überall Mütter und Väter ihre Kinder tragen, ernähren, versorgen; dass überall Nachbarn einander unterstützen, überall auf der Welt Gastfreundschaft gepflegt wird, vor allem in armen Ländern!...wird ja nicht berichtet.  Es ist leise. Es ist unauffällig. Es ist ja normal, selbstverständlich.

Tausende und abertausende von wundervollen Projekten, von engagierten mutigen Menschen gegründet, von mutigen engagierten Menschen mitgetragen- wo sehen wir die in den Medien?  Nicht zur Hauptsendezeit, nicht auf der Titelseite.

Millionen von Gebeten, von Friedensinitiativen, von guten Wünschen und Segenssprüchen, Milliarden von Grüßen und liebevollen heilsamen Gedanken fliegen über die Welt, senden ihre Energie um den Erdball. Unzählige Proteste werden erhoben und unzählige Alternativen werden ersonnen. Solche Nachrichten sind auch zu finden- es gibt extra Webseiten dafür. Wunderbare Filme davon. Bücher drüber. Doch die Hauptstimmung ist voller Angst und Schrecken, voll banger Befürchtungen, bedrückt vom Schlimmen, Bedrohlichen.

 

Das Leben in seiner wundervollen lichtvollen liebevollen Alltäglichkeit zu sehen, fällt da schwer.  Ich erhebe Einspruch gegen das vorherrschende Bild, das von unseren Medien täglich vielfach gezeichnet wird. Immer wieder wiederholt, zu jeder Stunde.

Ich erhebe Einspruch gegen dieses gebetsmühlenartige Einhämmern eines verzerrten Bildes unserer Welt.

Leises Alltagsleben ist eher friedlich, freundlich, liebevoll, wohlwollend. Das Leben der Erde, der Pflanzen, der Tiere, die Jahreszeiten und Lebenszeiten der Menschen verlaufen selbstverständlich normal - und leise.  Es wird leise Abend und Morgen. Es wird leise Frühling oder Herbst. Kinder werden geboren, Eltern sind glücklich in dieser zauberhaften Anfangszeit. Ein Engel ist angekommen. Und leise kommen Engel und bringen leise eine helfende Hand oder eine gute Nachricht. Im Verborgenen klingt es leise, im Inneren ist es leise. Der Raum ist erfüllt von leisem Leben- vibrierend lebendig!

Lasst uns darauf schauen! Lasst uns nicht verrückt machen! Lasst uns außer den krachend gefällten Bäumen auch die große Stille dazwischen wahrnehmen.

Im Unterschied der Stimmungen in Deutschland und in Tunesien  spüre ich es mehrmals im Jahr: welche Schwingung umgibt uns hier---und welche Gelassenheit empfängt uns dort. Seltsam: es wird abgeraten hinzufliegen. Dort sei es unsicher. Bei uns ist es...? sicher?

 

 

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