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meine Nepalreise

von Ingrid Mettert

Stille-  manchmal in der schlaflosen Nachtstunde- der Verkehr ruht, vielleicht sind auch mal die Hunde ruhig...Zikadengesang. Unten in der Stadt kein Verkehr zu hören, Flugzeuge landen, starten. Oben, weit oben an Berghängen, zwischen Bergdörfern und Reisfeldern am hellen Tag: Stille. Im Tempel der Buddhisten Ruhe. Die Muschelhörner, Glocken, Blasinstrumente, Trommeln, Becken vibrieren. Die Mönchsstimmen weich und dunkel. Auch eine Art Stille in dieser Stunde.

Sonnenaufgang- über Kathmandu-dunstige neblige Morgenröte-Venus drüber strahlend-im Flusstal Silhouetten von Bäumen, hinter dem Tal Bäume, die Stadt im Dunst. Ab sechs Uhr die Gesänge der Hindus. Hunde bellen. Ein paar Hähne krähen. Ab sechs Uhr auch die buddhistische Puja im wundervoll prächtigen Tempel die Trommeln und Becken und Glocken, das Mantra-Murmeln der Mönche. Unten das Trompetensignal am Militärexerzierplatz. Vogelstimmen.

Bambus- Baugerüste, selbst an hohen Tempeln aus riesigen Bambusstangen mit Schnüren zusammengebunden. von vielen Männerhänden systematisch nach oben gereicht, höher und höher ...frisch gefällter abgesägter Bambus, 6-7 Meter lang, grün, schwer, von zwei Männern geschleppt für ein Baugerüst...Bambus als Baumaterial, als Dachbalken, Geländer, Stützen, Bambus als Zaun, als Korb, als Kiste. Und riesige grüne Bambuswälder, Büsche, auch kleinblättriger hübscher am Berghang des Urwaldes.

In den Städten und auf dem Land sehe ich immer wieder riesige Bambus-Schaukelgestelle- bestimmt 6, 7 oder mehr Meter hoch. Daran hängt einfach ein dickes Seil, auf das sich die Kinder oder die Jugendlichen setzen können oder sich hineinstellen. Kleinere Jungs helfen einander, überhaupt auf das recht hoch hängende Seil zu klettern. Und dann geht´s ab: weites hohes jubelndes Schaukeln und Schwingen- weit- weit!

Malerei- Die buddhistischen Tempel innen und außen prächtig über und über bemalt. Farbig gelb rot grün blau und weiß-satte kräftige leuchtende Farben. Alle Fassaden, Fensterrahmen, Simsen, Schmuckelemente. Gold auf den Dächern, Aufsätzen, Verzierungen, Symbolen. Gestern hat der Thankamaler in unserem Tempel während der Puja weitergemalt-Stunde um Stunde, Monat um Monat, Jahr um Jahr...nach dem Erdbeben haben sie alles wieder aufgebaut, wieder neu bemalt...

Hunde- nachts ihr Bellen. Pausenlos, dauernd, andauernd, unaufhörlich, sich antwortend...Tagsüber liegen sie in der Sonne, im Schatten, im Straßengraben, auf Staub, auf Steinen, auf Stufen- überall-schlafen. Sie gehen am Straßenrand neben dichtem Verkehr, sie sind erfahrene Verkehrsteilnehmer, sie überqueren dicht befahrene Straßen. Massenhaft Hunde. Manchmal bettelnd. Ansonsten desinteressiert ihr Hundeleben lebend. einmal im Jahr von Hindus geehrt und gesegnet.

Bergrücken- meine Lieblingsaussicht von allen Höhen und vom See: die Bergrücken, einer hinter dem anderen, sich in der Ferne blasser verlierend. Vor allem im Morgen-und Abend -Licht hab ich diese Aussichten geliebt. Alle schauen nur auf die Schneegipfel. Ich liebe sie sehr, die Vorberge, Tal um Tal, wie wundervolle Kulissen im Licht. Nur eine einzige Postkarte hab ich gefunden, auf der so eine ähnliche Aussicht zu finden ist. Ich hab ja keinen Fotoapparat gehabt...Ladegerät vergessen...aber Erika hat für mich fotografiert und mir jetzt die Bilder geschickt! welches Schwelgen in Reiseerinnerungen!

 

Pokhara und der See- Am liebsten war mir die Stille auf dem See- leises Plätschern der Paddel, ruhiges Wasser,  ungestörtes Aufnehmen der Umgebung...        eine beliebte Touristenstadt auch für Nepalesen. Schulklassenweise. Betriebsausflugweise. Familienweiseangereist, füllen sie laut schnatternd die Hotels: Hauptbeschäftigung ist das Fotografieren. Am besten die stillen Morgenstunden in den Straßen bei Sonnenaufgang. Der erste Kaffee und die Gipfel im ersten Licht. Ein  Boot ergattert, bevor die offiziellen Bootsschalter öffnen- wundervoll! Diese Postkartenaussicht mit spiegelnder Himalayakette im See hatten wir nicht. Auch nicht von der gegenüber-liegenden Seite aus.

Berge-Abhänge-Gipfel- rundherum hohe bis 1.200m, steile Urwaldberghänge, unbegehbar steil, auf der anderen Talseite begehbar, Straßen oder wackelige holprige Steinpisten, Staub, Erdrutsch, Baustellen, rundherum dieser grüne teils blühende subtropische Urwald, Affen, Vögel, Schmetterlinge. Und bei guter Sicht von oben auch die schneebedeckten Himalayagipfel sichtbar. Wenn die Wolken sie freigeben. Steil. Alles steil. Alles mit Treppen. Treppen.

Sarangkot- von Pokhara mit dem Taxi eine der steilen holprigen Berg-Pass-Straßen hinauf. Windung um Windung, höher und höher, an Bergbauern und Reisfeldern vorbei, an Hirsefeldern und Gärten, Mountain-View-Hotel. Stufen um Stufen um Stufen. Zimmer über Zimmer. Viele weitere Stufen hinauf zum Gipfel. Mit hunderten von Touristen den Sonnenaufgang  sehen über den Himalaya-Schneegipfeln. Rosa, rosig, orange, gelb, golden. Staunen. Wundern. Bewundern. Erhebend: ein Geschenk. Vom Hotel aus, sogar unten von Pokhara aus zu sehen. Jeden Morgen.

Himalayas-  schneebedeckte Bergriesen, wir sind schon hoch, aber sie sind fern und noch viel höher. Immer wieder der suchende Blick, ob sie zu sehen sind? früh morgens? dann immer am Nachmittag die Wolken...und ob man sie vielleicht abends sieht? Vom See Pewa bei Pokhara aus haben wir sie oft gesehen-leise plätschert das Paddel, langsam das Boot auf dem Wasserspiegel- die Bergspitzen hinter dem Sarangkot. Der Lärm der Touristen-Bus-Geschäfte-Stadt am Ufer...

Tempel-  Überall buddhistische Tempel, oft wundervoll riesig und geschmückt und gut instand gehalten. Mit großen Eingangstoren. Aber auch mal kleine Tempelchen mit den allessehenden Buddha-Eyes. Und noch mehr und auch überall Hindutempelchen, große, winzige, kleine, geschmückte und Tika-Rot-Blumen-übersät, daß die Ganesh -Figuren fast nicht mehr erkennbar sind. Hindu-Religion überall auf den Straßen. Ihr Hausschmuck vor jedem Haus.  Am Straßenrand mit ihren Gebetsmühlen sitzen alte Frauen in ihrer Tracht. Lachfaltenlachen. Zum großen Jahresfest der Hindus alles hell und grell und bunt und pulsierend elektrisch geschmückt, aber auch Kerzen und Butterlämpchen an Türen und Treppen mit farbigen Mustermandalas- kunstvoll oft. Fast fahren die Motorroller drüber in der Enge. Alles liebevoll gemacht und vor Wind geschützt die Lichtchen. Lichterfest. Helle bunte Stadt tage- und nächtelang.

Steine- Drei, vier Steine musste ich dann doch mitnehmen von all der Pracht, die ich gesehen habe: schwarze Steinplatten auf Wegen, in Bädern, an Wänden, drinnen und draußen: große schwarze Schiefersteinplatten- etwa 20x30 oder größer. Schwarze Felswände aus Schiefergestein.

Und die rot- gemusterten Steine: geädert, gestreift, mit schillerndem Glänzen in Tempeln, auf Wegen, als Stufen...oft bleibe ich stehen mitten auf einem Weg, auf einer Stufe und bewundere diese Steine! Einen neben einem kleinen Durga- Tempelchen am Wegrand gefunden, musste ich mitnehmen: rot, glänzend, schillernd, Bruchstücke zwischen großen Brocken und Felsen: einer wundervoller als der andere...

 ...und dann die rote Erde, roter Lehm, rote bröselige Steine, die zerrieben werden zum Verputzen der Häuser: terrakottarot verputzt die meisten Häuser der Bergbauern, manche auch mit Ockerfarbe abgesetzt. Manche haben noch die Fensterrahmen oder Läden blau gestrichen. Farbgedichte.

Spucken- weil der Staub allgegenwärtig ist auf den vielbefahrenen Straßen, tragen die Stadt-Menschen Nasen-Mund-Schutz, Gummi um die Ohren. In Kathmandu vor allem. Und weil die Lungen der Stadtmenschen nach und nach zu Staublungen werden, müssen sie andauernd räuspern und spucken: Männer wie Frauen. Taxifahrer kurbeln die Fenster runter, spucken raus, Fenster wieder zu. Es wird in die Straßengräben gespuckt- meistens. Jeden Morgen wird gefegt: sämtliche Läden und die Gehwege davor, und mit Wasser nachgespült. Sauber wirkt alles. Straßen werden befeuchtet, daß es nicht gar so schlimm staubt. Auf dem Land auch- es wird viel gefegt, gewischt, gespült, alles wird jeden Tag gesäubert. Schön. Am nächsten Tag ist es dann wieder nötig.

Reis- Wir waren während der Reiserntezeit dort und haben in vielen Ortschaften gesehen, wie die Reishäufen vor den Häusern geworfen werden, um die Spelzen vom Korn zu trennen. Die einen mussten Helfer haben, die mit flachen Körben Wind gemacht haben, andere haben einen natürlichen Wind ausgenutzt, wieder andere hatten eine kleine Windmaschine- einen kleinen Propeller.

Dann breiten sie ihre Reisernte auf einem vielleicht 3x4m großen Plastik auf der Straße und auf den Plätzen aus, um ihn in der Sonne trocknen zu lassen. Man geht direkt dran vorbei- alle vertrauen darauf, dass alle aufpassen.

Große Reis- Sack- Lager haben wir gesehen- und Lastwagen voller Reissäcke. Das Reisstroh liegt auf den Feldern, wird aufgehäuft auf Mieten, wird manchmal auch für Strohdächer genutzt. Immer wird in Gruppen gearbeitet.

Einmal haben wir 6 Bullen gesehen, wie sie angebunden im Kreis über das Reisstroh getrieben werden- langsam gedreht- So haben sie gedroschen. getragen werden die Bündel auf dem Rücken mit Trageriemen über den Kopf.

Reisfelder in wunderschönen der Landschaft angeschmiegten Terrassen. Landschaftskunst. Malerisch. Wunderschön.

Musik- Die nepalesische Musik ist fröhlich. Heiter. Wir haben an zwei Abenden Volkstanz gesehen: sie haben rasche flotte fröhliche und sehr anmutige Bewegungen. Auch die Männer tanzen anmutig. Die Kleider, die Klänge, die Bewegungen, die Gesänge stimmen fröhlich, freudig, lächelnde kindlich- zauberhafte Kunst.

Ein Straßenmusiker wollte mir eine Pferdekopfgeige verkaufen (aus Holz geschnitzt). Ich sagte ihm, daß ich keine Geige kaufen will, ich will sie hören. Da hat er mir auf der Straße vorgespielt und Lieder gesungen- hab ihm seine CD abgekauft und höre jetzt immer wieder diese fröhliche gut aufgelegte Musik.

Trachten- Bunt, farbig, geschmückt und verziert, in den gewagtesten Farbkombinationen bringen mich die Frauen auf den Straßen zum Staunen. Immer wieder muss ich mich nach ihnen umdrehen: "Hast du diese Farbkombination gesehen??" Unglaublich! wie schön! Farbsymphonien. Farborgien. Zusammenstellungen exquisiter Art.

Alle Frauen sind wunderschön gekleidet: die einen in Saris, andere in Hosen mit passenden langen Tuniken drüber. Newarische oder tibetische oder nepalesische älteren Frauen tragen ihre Trachten: einfache graue Unterkleider mit bunt gewebten Schürzen drüber oder tibetische Kleidung mit Schmuckapplikationen auf dem Gewebe aus Jakhaar. Alle Formen dieser Traditionen sind immer schön, malerisch, bezaubernd.

Die Männer tragen teilweise nepalesische Hüte aus gewebtem farbig gemustertem Stoff. Ansonsten sind westlich gekleidet (außer beim Volkstanz). Im Straßenbild gibt es immer wieder rot/orange gewandete Mönche. Gebetsketten und manchmal Gebetsmühlen dabei. Kleine zwei- dreijährige Mädchen mit groß geschminkten Khajal- Augen. Sympathische hübsche anmutige Menschen.

 

und immer wieder zu sehen: der heilige Berg

Eines der bekanntesten Bilder aus Nepal: die alles sehenden Augen Buddhas- ich fand sie auf vielen verschiedenen Stupas.

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