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Gedanken zur Globalisierung

von Ingrid Mettert

Unsere Welt-Gedanken zur Globalisierung

"Wir finden, die Welt sei heute grenzenloser und vielseitiger als je zuvor. In Wirklichkeit ist sie armseliger. Eine Welt, die keine Gegenwart Gottes zulässt, ist eine Welt, die auch kein menschliches Gegenüber zulässt." Marc- Alain Ouaknin

"Mit jedem Atemzug gestaltest du die Welt mit--es geht gar nicht anders..." (Dinesh)

Kwan Yin nimmt sich voller Mitgefühl aller Menschen an

Globalisierung?

Geldströme, versteckte Steueroasen, Ausbeutung der arbeitenden Armen auf aller Welt, Ausbeutung der Regenwälder, der Bodenschätze...sind das die Assoziationen erst mal?

Bei den Machtwörtern des Rates der Großmütter wird der Machbarkeitswahn angeprangert...weltweites globalisiertes Machbarkeitswahn-Patriarchat...? ist das die nächste Assoziation?

Ich will´s mal aus einer anderen Perspektive betrachten:

Heute fliege ich nach Kathmandu. Zugfahrt über Düsseldorf Flughafen, treffe mich dort mit einer Freundin, wir reisen gemeinsam, sie war schon zweimal dort, um Heilung bei einer Nepalesin zu suchen. Jetzt will ich mit, weil "es" mich hin ruft. Schon als Studentin zog es mich in die Himal-Region, nie wurde was draus...aber jetzt, kurz bevor ich 70 werde, mach ich´s.

Was gehört alles dazu, dass so etwas überhaupt möglich ist??

Die Leistung von Generationen von Ingenieuren weltweit für diesen  "selbstverständlichen" Flugverkehr. Die Leistung von Generationen von Computerprogrammierern, die uns diese "selbstverständliche" Kommunikation ermöglichen- z.B. hier mit unserem Nepal- Führer, mit dem Reisebüro, den Fluggesellschaften...Schreiben, Drucken, Vermarkten von guten Reiseführer-Büchern, Info-Schriften, Versicherungsverträgen...Die Leistung von Millionen von Straßenbauern, Hilfsarbeitern aus allen Ecken der Erde, Landebahntiefbau, Gebäudebaufirmen, Baggerführern, Lastwagenfahrern aus aller Welt! Steinbrüche, Kieswerke, Teer- Hitze, Betonmischwerke, Schwermetall-Glühöfen, Männer- Container- Leben auf Baustellen...weltweit.

Sonst fliege ich mit meinen Gruppen in die Sahara- seit 2006!! jedes Jahr!..über Djerba, dann Bus, dann Kamelkarawane, Beduinen-Zelt-Schatten, Teppiche, Frauen, die all diese Schätze gesponnen, gewoben haben, Kamel-, Schaf- und Ziegenhirten, die tage-und wochenlang umherziehen mit ihren Herden ...Wir aus dem Christlichen Kommenden bei den Muslimen--schön, diese Begegnung.

Wenn ich an den kürzlich eingeweihten Friedensgarten denke,  den ich initiiert habe- sind da die Religionen/ Traditionen der Erde versammelt- jede mit Symbolen und Mantren ihrer  Gepflogenheit vertreten. Wir feiern die universelle Friedensfeier für den Frieden zwischen den Religionen. Für den Frieden i n unseren Herzen tanzen und singen und essen wir gemeinsam seit 30, 40, 50 Jahren . Eine außergewöhnlich offene respektvolle und gelöste herzliche Atmosphäre ist so entstanden, wurde so geschult, wurde für diese weltweit verbreitete Familie mit vielen vielen Tanzkreisen zur Gewohnheit. Welche globalisierte Friedensarbeit im Kleinen und im Großen!

Unsere Friedenstanz- Familie entstand aus eine Handvoll Leute in San Franzisco- um einen Meister herum, Samuel Lewis, der seinerseits die Welt bereist hatte: Japan, Indien, Ägypten, Amerika...als Gärtner, Agrarwissenschaftler mit grenzüberschreitenden Projekten, als spiritueller Mensch...Globalisierung.

Viele andere solche Bewegungen gibt es. Leider berichten die Medien lieber über Katastrophen als über Friedensprojekte. Leider gibt es fast nur Mord- und Totschlag- Krimi- Filme- anscheinend wollen das die Leute gern sehen. Der alte "Brot-und Spiele"- Gedanke? Dazu passend gibt es ja auch eine billige  tägliche Zeitung.

Die Film- und Print-Medien berichten aber auch wunderbar seit Jahren von den fernsten Gebieten der Erde, von den ältesten und verstecktesten Volksstämmen und Kulturen unserer Erde. Bevor ich also heute nach Nepal reise, konnte ich mir viele Filme darüber anschauen, Bücher lesen, Musik von dort anhören...und ich kann mir von Ländern der Erde ebenso viele Bildbände, Filme, Forschungs- Untersuchungen beschaffen, die ich nie besuchen werde...mein "globalisiertes" Weltbild. Voller Wunder. Hochgebirge, Tiefsee, Eis und Wüste--alles gibt es für mich so zur Ansicht. Ein globalisiertes Kaleidoskop.

Thich Nhat Hanh schlägt eine Meditation bei Tisch vor: schau, was da alles steht: welche Metalle aus welchen Bergwerken? welches Geschirr aus welcher Fabrik? welcher Töpfer hat es gebrannt? welche Frau hat es bemalt, verpackt? Wer hat da alles mitgearbeitet? Woher kommen all die Lebensmittel? Wer hat sie angepflanzt, geerntet, transportiert, verkauft??? woher alle Gewürze?

Und wieder haben wir diese weltweite alltägliche Verflechtung. Thich Nhat Hanh nennt es auch "Interdependenz"- alles hängt mit allem zusammen.  Doch er meint auch die Elemente, Erde Feuer Wasser Luft- aus denen wir ja bestehen bitte schön!! Die Luft der ganzen Welt atmen wir alle auf der ganzen Welt.

Kommunikation über jeden Atemzug. Dann gibt es da das "morphogenetische Feld"- dieses Energiefeld, an dem wir ja alle--ob wir es wissen oder nicht- mitwirken. Mit jedem Gedanken, jeder Art zu leben, jeder Vision, jeder Depression, jeder Liebe und jeder Wut.

Das ist die energetische Globalisierung. Und die ist nichts Neues- wir wissen, dass die Schamanen aller alten Kulturen, die Mystikerinnen, Weisen, Hellsichtigen--untereinander verbunden waren über Zeit und Raum--die Globalisierung geht auch über Zeiten hinweg, nicht nur über Räume. Ich kann mich mit der Uralten vom Fels (bei Blaubeuren, 40T- Jahre alte Mammutfigurine) verbinden- in meiner Meditation und sogar in der Höhle selbst...Ich kann mich mit Mantren und Gebeten, Statuen und Abbildungen verbinden, da sie Energien gespeichert in sich tragen- mehr oder weniger- und bin verbunden!

In einem neu entstandenen Steinkreis ( welcher Förster machte dieses unglaublich wundervolle Geschenk dem Rat der Großmütter!!) kann ich mich verbinden mit einer längst vergangenen- hier wieder erinnerten Kraft: einer Kraft der Natur, der Steine, des Kreises, der Sonne, der Stille...

Globalisiert verbunden innerlich und äußerlich, horizontal und vertikal, offensichtlich und verborgen. Welche Möglichkeiten uns zur Verfügung stehen!! Welche Verantwortung wir auch tragen: wir, die wir in dieser reichen, satten, versorgten, sauberen, geordneten friedlichen Welt  leben dürfen.

Atmen wir Frieden! Duften wir nach Frieden! Schaffen wir in uns selber Frieden...und dann in unserer Umgebung- soweit es uns eben möglich ist- ganz entspannt- ganz locker, unverkrampft- von Herzen.

"Schaffe Raum für die Menge an göttlicher Lebensenergie, die du in diesem Augenblick verkörpern kannst und erlebe dies als deine "Wahrheit" in diesem Augenblick." (Neil Douglas Klotz, die Weisheit der Sufis, S.192)...Wie viel all der Lebens- und Begegnungs- und Reiseeindrücke kann ich fassen? Wie viel kann ich aufnehmen und integrieren?  Zu verstehen ist es gar nicht- nur einzuatmen, aufzusaugen, durch  alle Poren  eindringen zu lassen, jede Zelle berühren zu lassen von dieser Menge an göttlicher Lebensenergie.

"Mit jedem Atemzug gestaltest du die Welt mit--es geht gar nicht anders..." (Dinesh)

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