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Monatsbrief Januar 2018 Teil 2

von Ingrid Mettert

Der rote Faden

Als ich wieder in der Meditationshalle saß auf meinem Kissen, war mir, als käme ich heim. Wie ein Känguruh- Junges, das in den Beutel der Mutter hüpft: geborgen. Zuhause.

Friedrich Weinreb, mein chassidischer Lehrer, sagte immer, die Sehnsucht ist in die Seele gepflanzt, denn unsere Heimat ist ja das Licht,  "der Himmel". Auf der Erde sind wir "im Exil".

"In dieser Welt zu leben ist, als wohnte man in einem brennenden Haus"  (aus der Lotus Sutra) lese ich in einem Zitat. Manchmal, wenn wir die Nachrichten anschauen, stimmt das tatsächlich. Schwer, nicht zu verzweifeln ob der Ungerechtigkeiten und Schlechtigkeiten. Ob der ungleichen Verteilung der Güter, des Wassers, der Lebensmittel, der Chancen. Schwer, nicht wütend oder depressiv oder fatalistisch zu sein angesichts der Boshaftigkeit, der Gewalt, des Zynismus.

Ich träume von einem brennenden Haus...auch früher schon öfter ein wiederkehrendes Traummotiv ...

Meine Hoffnung ist die Weiterentwicklung des menschlichen Bewusstseins zu der Einsicht, dass wir alle verbunden sind mit allem. Nichts ist abgetrennt, alles gehört untrennbar in das Netzwerk des komplexen Lebens.

Mein Glaube ist, dass wir auf dem Weg sind zu dieser nächsten Stufe der menschlichen Bewusstseinsentwicklung. Von unreif ("böse") zu reif ("erleuchtet") . Globales zusammengehöriges Leben. "Interdependenz" nennt es Thich Nhat Han. Und "Inter-Sein".

"KOREspondenz", nennt es Ute Manan Schiran.

Hazrat Inayat Khan nannte es  "das alles durchdringende Leben im Raum", das unsere Körper, Herzen und Seelen  heilen kann.

Und Hazrat Inayat Khan gab uns die Anrufung: ...Towards The One, the perfection of LOVE, Harmony and Beauty, the Only Being,...united with all the illuminated souls...

mit dem Schluss:."..vereint mit all den erleuchteten Seelen, die den Meister, die Botschaft, den Geist der Führung verkörpern."

Allein diese Gebete zu ergründen, kann ich lang meditieren...

zu Weihnachten hab ich ein Gedicht geschrieben:

Der tiefe stille uralte Ozean fragte sich:

" warum nur All-Eins und still sein?"

und schickte Regenwolken übers uralte Land

damit Bächlein murmeln, Wasserläufe plätschern,

Täler und Auen grünen,  Fische schwimmen,

Vögel fliegen, Käfer jagen,

damit laute und lachende, lärmende und singende

Dörfer und Völker leben.

Über dem Weinen und Schreien, das sich hier und da erhebt,

formen sich wieder und  wieder köstliche vielstimmige Harmonien.

Der tiefe stille uralte Ozean rauscht und lauscht

der Harmonie, der Liebe, der Schönheit.

dem Einzig Seienden,

vereint  sind all die erleuchteten Seelen im Kosmos.

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