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Wüstenreisebericht Herbst 17

von Ingrid Mettert

Was mir so nach der Wüste durch Kopf und Herz geht :

dort kenne ich mich überhaupt nicht aus- die Beduinen führen. Alles, was man braucht, weiß ich nicht, die Beduinen wissen alles über Kamele, Holz, Wasser und sie besorgen alles.Ich bin sorglos.

Entspannt wie ein Kleinkind gehe ich in diesen Raum des Geführt-Seins, des Versorgt-Seins, in diese Energie der Sicherheit, des Vertrauens, der völligen Zuversicht, dass alles da sein wird, was gebraucht wird.

Mütterliche Gastfreundschaft und liebevolles aufmerksames Verwöhnen sind um mich von Anfang bis Ende.Da fällt mir der Psalm vom guten Hirten ein:

"Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar."

Im Christlichen Umfeld aufgewachsen und geprägt von den Gesängen und Gebeten, schlummern diese Texte immer noch in mir. Inzwischen hat sich mein Bewusstsein kritisch über Vieles hinweg und weiter entwickelt- doch wie ein Grundschatz sind sie in mir abrufbar.

Inzwischen würde ich statt HERR eher Göttin, Mutter-Vater-Alles-Was -Ist sagen oder denken. Inzwischen weiß ich: ich lebe nicht im finsteren Tal, eher die vielen Flüchtlinge, die alles verloren haben...Das finstere Tal kann eher innen sein, könnte eher eine Depression sein, ein "Sich-abgetrennt-Fühlen".

Als " Stecken und Stab" erkenne ich meine innere Führung, meine innere Stimme, all die "Zufälle" und "Fügungen", die mich durchs Leben leiten. Mein Haupt wird nicht gesalbt, jedoch "gekrönt" fühle ich mich, wenn ich die Verbindung zum Himmel spüre, Frieden im Herzen spüre, wenn ich Segen spüre.

Im "Hause des Herrn" werde ich nicht bleiben, aber "behaust" fühle ich mich, beherbergt : auf unserer wunderbaren Erde, im Kosmos, in und mit den Elementen, den Himmelsrichtungen, der lebendigen Schöpfung. "behaust" auch mit meiner "Sangha", den verschiedenen Gemeinschaften, Gruppen, Kreisen,  mit denen gemeinsam  ich mich betend, meditierend, mich austauschend verbunden bin, eingebunden bin und mich geborgen fühlen kann.

Wie schön, diese Art der Wüstenerfahrung immer wieder erleben zu dürfen.

Daneben will natürlich alles organisiert sein,wollen Flüge gebucht sein, Hotels reserviert, Reiserouten geplant etc...Dafür kann ich auf die Verstandesebene wechseln. Es will abgerechnet sein, die Buchhaltung fürs Finanzamt muss stimmen...das alles übernimmt mein Alltagsarbeitsverstand.

Doch dann lass ich ihn los, sobald die Sahara mich willkommen geheißen hat mit ihrer Weite, ihrem feinen Sand, ihrer Stille. Sobald mir Mohammed wieder meinen bequemen Reitplatz auf dem Kamel herrichtet, sobald ich wieder im Schatten ausruhe, solange die Männer das Zelt aufbauen.

Erquickend für Körper, Herz und Seele. Wie das Drehen auf der Düne beim Sonnenaufgang. Wie die Stille beim Sonnenuntergang. Wie die Friedenstänze mit der Gruppe.

Ya Shakur. Danke. Al Hadullillah!

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