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Wüstenreisebericht 2012

von Ingrid Mettert

Hier einige Rückmeldungen der Teilnehmerinnen:

Habe mich selbst etwas schwer getan mit der Umgewöhnung und stehe noch ein wenig neben mir.

Unbeschreibliche Natur - Singen aus vollem Herzen in den Dünen- Allein mit sich selbst - Gott ganz nahe.

Ausgelassen und voller Freude - Tanzen am Feuer - Lachen mit anderen - unbeschwert und fröhlich.

Danke!!!

Danke für die sehr gute Organisation der Reise, für die abwechslungsreiche Gestaltung, für eure  Achtsamkeit!
Von dem Moment an, da ich meinen Fuß in den Sand stellte, war mein Kopf leer. So etwas habe ich in dieser Intensität noch nie erlebt, und dieser Zustand hielt nicht nur bis zum letzten Tag der Reise an.
Die Bilder, die mir von einigen der mitreisenden Frauen geschickt wurden, schaue ich wieder und wieder an.
Überhaupt die Frauen! In Ihrer bunten Kleidung! Es war schön, sie um mich zu haben, sie sprechen zu hören, sie lachend und voller Leben zu erleben. Zumeist aus der Ferne. Das war mir genug.
Auch die Beduinen. Sie gehörten dazu, sie machten einen guten Teil der Reise aus, Ihr Sprechen miteinander war  entspannt, oft entspannend, oft fröhlich. Ihre Musik und ihr Singen sind mir im Ohr. Sie trugen wesentlich zur Harmonie in der Gruppe bei.
Dazu die Kamele. Sie hatten so etwas Beruhigendes, lockerten die Ansammlung von 28 Menschen merklich auf und erzeugten - trotz ihrer Größe - Leichtigkeit.
Das Bild dieser farbenfrohen Karawane wird mich auch weiterhin begleiten.
Ihr merkt schon, ein Teil von mir ist immer noch in der Wüste.
Es war eine meiner schönsten Reisen, die ich in meinem Leben gemacht habe.

Wesen-tliches, stille sein, lauschen, hinspüren ...
...Vertrauen zulassen, Geborgenheit finden, alte Denkmuster loslassen,
Innen-Raum-schaffen für neue Wahr-nehm-ung, ...

hier ist meine persönliche Liebeserklärung an meine Zeit in der Wüste, mit den Beduinen, mit den beiden Leiterinnen, mit unserer Gruppe, ich habe mein Herz dort im Sand gefunden, es frei gelegt und dort gelassen - ich durfte loslassen, alle Verantwortung abgeben an die Beduinen - fühlte mich getragen, geborgen und behütet ............ und habe so viel Kraft geschöpft aus diesen Tagen !

Schon die Fahrt vom Flughafen in das Wüstenstädtchen Douz vertreibt viele Vorbehalte. Meine Seele fühlt sich merkwürdig zu Hause und geborgen. Die Herzlichkeit der Berberfamilie, in deren Felsenbehausung wir das köstlichste Mahl der Reise zu uns nehmen, tut das Ihrige dazu. Und hier werden auch erste Kontakte zu anderen Gruppenfrauen geknüpft. Und ich begreife: Zu Hause bin ich da, wo ich in Kontakt bin.

Eine letzte Nacht im Bett im einfachen aber malerischen Hotel in Douz mit Vogelkonzert im Innenhofbaum; eine letzte Dusche am Morgen und ein letztes Frühstück auf einem STUHL. (Dass das Leben am Boden meine größte Herausforderung werden würde, wusste ich da noch nicht!)

Und dann waren wir in der Wüste. Wurden von „unseren“ Beduinen und Kamelen empfangen. Wir liefen los – und ließen alles Vertraute (oder fast alles Vertraute, denn der bekannte Kampf gegen den eigenen trägen Körper blieb) zurück.

Und wir hatten einen schweren ersten Tag: Es war schwül, die Luft stand, dicke Wolken brauten sich am Himmel zusammen – bei uns hätte ich gesagt: Das gibt ein dickes Gewitter.

Todmüde war ich am ersten Abend nicht mal in der Lage, die Thermarest auszulegen und stellte im Laufe der Nacht fest, dass der Sand nicht so weich ist, wie er aussieht. Aber ich war da. War stolz, da zu sein und schlief tief und fest – ohne Angst vor irgendetwas. Nicht mal vor Skorpionen, denn vor denen schützte uns unser kleines Zelt.

Und alle anderen Tage waren besser...viel besser...unvergesslich und zauberhaft geradezu! Die Wüste war nicht nur für die Augen wunderbar (man kann sich nicht vorstellen, wie viele verschiedene Farben und Formen SAND hat!) sondern vor allem für die Seele.

Kein Auto. Kein unnützes Geräusch. Keine Werbung. Nicht mal Flugzeuge sah oder hörte ich in diesen Tagen. Der Horizont war ganz weit weg geschoben – vielleicht auch in meinem Denken? Die Farben sind eingefangenes Licht, die Formen weich, fast weiblich, fast erotisch. Keine scharfen Kanten. In mir zieht eine Wärme und Weichheit ein, die ich genieße.

Der Ort des Schweigens, an dem wir zwei Tage verweilen, ist so traumhaft schön, dass mir sowieso die Worte fehlen. Hier ist Schweigen eigentlich die natürliche Ausdrucksform. Und nach dem Schweigen mit der nun schon vertrauten Gruppe am Ostermorgen das „Halleluja“ singen ist die andere mögliche Ausdrucksform. Dazwischen gibt es nicht viel.

Mir fällt eine Beduinenweisheit ein, die ich in meiner Vorbereitungslektüre fand:

„Allah hat alles Überflüssige aus der Wüste entfernt, damit wir ganz zu uns selbst finden“.

Die Erfahrung der Wüste (besser: Ergehung oder Erreitung) hat eine Sehnsucht gestillt, von der ich nicht mal wusste, dass ich sie in mir trug.

Und die Beduinen - ? Naja, die verdienen halt ihr Geld mit Reiseführung...hab ich gedacht, bis ich Nasser beim Abschied weinen sah; bis ich sah, wie wichtig jede einzelne ist und ihr Wohlbefinden; bis ich sie singen und tanzen sah und liebevoll ihre Kamele füttern.

Ja, sie verdienen Geld mit Wüstenführungen und das haben sie wirklich verdient. Aber sie tragen die besondere Gabe der Gastfreundschaft, für die die Beduinen berühmt sind, noch immer in ihren Herzen und ich war sicher, sie würden mich vor allem beschützen, was mir widerfahren könnte. Zum Glück aber nicht tat.

Ich habe die Wüste gesehen. Ich habe sie gehört – diese Stille. Ihr Licht ist noch in meinem Herzen und im Winter werde ich mich an die Wärme erinnern.

Als eine Freundin neulich meinen Rucksack auslieh und sich beschwerte, dass der viele Sand da drin ihrem Handy schaden könnte, sagte ich empört: Lass den ja da drin! Das ist Sand aus der Sahara!

 

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