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Wüstenreisebericht 2013

von Ingrid Mettert

Unser erstes Lager wurde bei "UmmThuba" errichtet, das große flache Beduinenzelt spendete uns Schatten in der Mittagshitze, die Hohen Sanddünen erklommen wir zum Sonnenauf-und Untergang.

Das zweite Lager erreichten wir auf einem Weg durch hohe steile Sanddünenlandschaften ohne Busch und Baum-  durch ein reines Sandmeer.

"Cheega" hieß der nächste Lagerplatz, unsere Nachbarn waren Jugendliche mit viel Gelächter und Geschrei, die dort ihre Spiele spielten. Unsere stille Einstimmung wurde dadurch nicht gestört, die Gruppe nahm die Gegebenheit gut auf.

Man kann ja keinen Platz "reservieren"- die Wüste gehört allen.

Die ersten 24-Stunden-Allein-Sein-Tag -und- Nacht fand statt. Die Gruppe wurde still, verstreute sich in alle Richtungen auf ihre Schattenplätze.

"Elouija" hieß dann die nächste Station unserer Wanderung. Buschiges Land, reichlich Futter für die Kamele, Holz für die Lager- und Kochfeuer.

Dann die 48-Stunden-Schweigezeit am "Hinda-Platz", beim Village Sablée, bei der Moschee, die halb im Sand versunken ist.

In der Moschee gab es eine Meditation über die Sura Wal Azr- eine Betrachtung über das Leben, die Zeit, die Qualität der Zeit, je nachdem, wie wir sie leben.

Dieser Text begleitete uns über alle Tage, bis zum letzten Sonnenaufgang in Djerba auf dem Hoteldach: dort tanzten wir die Worte inmitten des morgendlichen Stadtlärms- vorher immer in der Stille und weiten Leere der Wüste. Durch die Schweigetage und die Meditationen war sie ganz in unsere Herzen gefallen und berührte uns tief - auch auf dem Hoteldach noch einmal.

Die stillen Tage und Abende, wo jede /jeder ganz allein auf der Abenddüne saß und die Sonne untergehen sah, gehörten zu den eindrucksvollsten Stunden der Reise.

Auf einmal war da schon der letzte Lagerplatz "Degleied Bin Balgalem".Auf einmal war da schon der letzte Abend, der letzte Tag, der letzte Abschied von den Beduinen.

Wir hatten die Zeit verloren, wir hatten in anderen Ebenen der Herzen und der Seelen gelebt, wir hatten eine Zeitreise ins Zeitlose gemacht- und jetzt gab es auf einmal wieder ein Datum, eine Abfahrtszeit, einen Reiseplan...

Zurück in die Welt, in das Städtchen, zurück über die Fähre nach Djerba, zurück zum Hotel, zum Flughafen. Diesen Übergang mussten wir sehr vorsichtig begehen,  einige hatten Anpassungsschwierigkeiten, allen legten wir ans Herz, sich gut Zeit zu lassen für das Umschalten von der Zeitlosigkeit der Wüstenwanderung zur Alltagswelt in Deutschland.

Ein herzlicher Abschied von den Beduinen- "á la prochène"- bis zum nächsten Mal- Insh´Allah.

Mit diesem Abschiedstanz überbrückten sie für uns die Wartezeit, bis wir abgeholt wurden.

"Au Revoir"

 

 

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