Lebensqualität

Dieses Wort kann viel bedeuten: erstens sollen die Grundbedürfnisse gedeckt sein, zweitens geht es um Bildung, Bewusstsein, Wahlfreiheit und drittens kommt noch etwas dazu, was für die einen Spiritualität ist oder - wie auch immer- der Umgang mit dem Unerklärlichen, mit dem Geheimnis.

Bei Grundbedürfnissen geht es nicht nur um Essen, Trinken, Wohnung, Arbeit oder Geld. Es geht um die Grundbedürfnisse für uns als Körper- und Naturwesen. Wir wollen frei atmen, wir brauchen Bewegung, Hautkontakt, wir müssen die Elemente spüren, die Natur in ihrer Lebendigkeit. Wir brauchen Wärme, Zuneigung, ein Heim, eine Höhle, in der wir uns zugehörig fühlen. Ich beobachte in unserer Gesellschaft einen großen Mangel, einen ungestillten Hunger. Deshalb biete ich meditative Seminare in der Natur an, Übergangsrituale, Wüstenreisen. Das Erleben der Natur ist Voraussetzung für wirkliche Lebensqualität.

Für einen bewussten Geist und Verstand bedeutet Lebensqualität das Zulassen von Neugierde, Erkennen von Wahlmöglichkeiten und Ergreifen der eigenen Bewegungsfreiheit - Mut zu Veränderung. Glaubenssätze und Prägungen engen ein, gängeln, halten uns im Funktionieren fest. Aber Lebensqualität muss mehr als "Funktionieren" sein. Der Gestaltungswille will kreativ sein, das Leben verstehen. Fragen erwarten Antworten. Gespräche, Traditionen und Rituale entwickeln den bewussten Umgang mit den Themen des Lebens. Denn "...wenn du das Gefühl hast, zu sehr eingesperrt und festgelegt zu werden, kannst du dein Derwischlager jederzeit abbrechen und weiterziehen" (Dr. Neil Douglas Klotz, "99 Meditationen der Liebe")

Lebensqualität auf der dritten Ebene ist für bewusste Menschen wichtig. Hier geht es um die Herzens- und Seelenebene. Sie ist mit der Körperebene verbunden. Tiere haben kein Bewusstsein, sie sind von ihrem Instinkt perfekt geleitet, sie können nichts falsch machen: alles steuert die Weisheit der Natur komplett. Jeder Same "weiß" genau, wie er wachsen und sich entfalten soll. Bei uns Menschen gibt es die Freiheit, die Versuch und Irrtum zulässt. Hier geht es um das Geheimnisvolle, das Unerklärliche. Antworten gibt es viele: von Esoterik, von Religionen, von Mystik.

Ich orientiere mich an letzterer. An den Werken der Hildegard von Bingen, Mechthild von Magdeburg, am Werk von Theresa von Avila und von Johannes vom Kreuz, von Nikolaus von der Flühe und Meister Ekkehart. An Sufimystikern wie Rumi oder Hazrat Inayat Khan und an den alten Weisen der indianischen Traditionen, der tibetischen oder alten chinesischen Traditionen. Bei chassidischen Weisen wie Friedrich Weinreb habe ich gelernt. Jesu Worte wurden mir von ihm und von Dr. Neil Douglas Klotz tiefreichender als in den gängigen Übersetzungen vermittelt. Diese Antworten nähren die Seele und können Wege weisen.

Hier ist meine spirituelle Heimat. Auf diesem Weg gehe ich. Ich bin Teil der Gruppierungen, die internationale Friedensarbeit leisten. Offenheit für die tiefen Wahrheiten aller Religionen und Traditionen ist ihre Grundlage. Aus diesen Quellen schöpfe ich für meine Arbeit. Das ist in unserer globalisierten Zeit genau die richtige Antwort für ein globales Bewusstsein!

"Es ist an der Zeit, über Unterscheide und Grenzen hinweg zuschauen" Hazrat Inayat Khan, Sufimystiker, Autor des Buches "Die Einheit der religiösen Ideale" (Heilbronner Verlag)

"Schöpfer
Die ganze Schöpfung ist Deine Offenbarung
Das sind all die Schriften
Die Bäume sind die Stifte
Die Ozeane sind Deine Tinte
Jedes Geschöpf ist Dein Wort
Jede Landschaft ein Vers
Die Kontinente sind ganze Gedichte
Und Jedes Sonnensystem ist ein Kapitel in Deinem Buch
Deinem heiligen Buch
Schöpfer
Die Propheten sind Stimmen in der Wildnis
Stimmen der Wildnis
Stimmen für die Wildnis
Mögen wir ihren Fußspuren folgen
Mögen auch wir wild werden
Mögen wir Dich auch in der Erde, dem Wasser, dem Feuer und der Luft erkennen
Schöpfer
Du hast uns zum Verwalter und Wächter dieser Erde gemacht
Und wir haben uns selbst zu ihren Eroberern und Herrn gemacht
Aber ein Sieg über die Natur wird nicht lange ein Sieg bleiben
Er wird sich als eine Niederlage erweisen
Schöpfer
Wir haben Wissen und Macht erlangt
Lehre uns nun Weisheit und Demut
So dass das Leben und die Einheit der Erde in uns erwachen können.
Amin"
(Pir Zia Inayat Khan, Ostern 2011, Ansprache zum Universellen Gottesdienst in Gersfeld)